Gastbeitrag: Mehr gute Arbeit durch mehr Ökologie?

Von Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW

Erst einmal ein Lob: Es ist auch ein Verdienst der Grünen, dass es in Nordrhein-Westfalen seit der Wahl 2010 wieder sozial gerechter zugeht. Beispiele sind das neue Landespersonalvertretungsgesetz, die Abschaffung der Studiengebühren, der Schulkonsens und der Entwurf für ein Tariftreuegesetz. Hier kann ich nur sagen: Weiter so!

Wenn wir darüber diskutieren, welche Themen die Grünen künftig (mehr) anpacken sollten, fällt mir als Gewerkschafter sofort die Industriepolitik ein. Wie die Grünen stehen auch die DGB-Gewerkschaften hinter der energiepolitischen Wende und auch wir sind überzeugt davon, dass der Ausbau erneuerbarer Energien, die Förderung von Maßnahmen zur Energieeinsparung und ein verbesserter Klimaschutz unentbehrlich sind. Der DGB und die Gewerkschaften sind sicher, dass die nordrhein-westfälische Industrie und der Arbeitsmarkt an mehreren Stellen von der ökologischen Wende profitieren können.

Damit Nordrhein-Westfalen Industriestandort bleibt, reicht es aber nicht aus, nur auf diese Karte zu setzen. Und NRW muss Industriestandort bleiben, davon hängt unser Wohlstand ab! Wir müssen auf die Ansiedlung von mittelständischen und Großunternehmen setzen und dürfen Infrastrukturprojekten nicht reflexartig Steine in den Weg legen – auch und gerade direkt vor Ort, wo Projekte konkret umgesetzt werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Firmen und Arbeitsplätze abwandern und Innovationen ausbleiben. Kurzum: Ökologie und Ökonomie müssen in einer gesunden Balance bleiben, wir brauchen beides, um zukunftsfähig zu sein.

Diese gesunde Balance ist auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt wichtig. Die energiepolitische Wende und die im Klimaschutzgesetz formulierten Ziele werden für Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sorgen, auf die wir uns einstellen müssen. Es wäre fatal, wenn die „grüne Wende“ dazu führt, dass Arbeitsplätze abgebaut oder neu entstehende Arbeitsplätze lediglich im prekären Bereich (Leiharbeit, Minijobs, Befristungen, Dumping-Löhne) angesiedelt werden. Das heißt: Die ökologische Wende ist nur dann nachhaltig, wenn die soziale Dimension gleichberechtigt berücksichtigt wird. Die große Herausforderung besteht also darin, die ökologische Wende so zu gestalten, dass sichere und fair bezahlte Arbeitsplätze entstehen. Und was sagen wir den Beschäftigten in Branchen, die zu den Verlierern des ökologischen Wandels zählen?

Mich würde interessieren: Bekennen sich die Grünen zum Industriestandort NRW? Und: Wie können wir Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und Wohlstand sichern? Welche Konzepte haben die Grünen für die Entstehung guter Arbeitsplätze in der ökologischen Wende? Wie schaffen wir es, dem steigenden Bedarf an qualifiziertem Personal nachzukommen (Stichwort Fachkräftemangel)? Wie soll die soziale Begleitung dieses Strukturwandels finanziert werden? Wie können demokratische Planungsprozesse so gestaltet werden, dass die Umsetzung der Entscheidungen gewährleistet werden kann?

Wir freuen uns auf eure Impulse aus der Grünen Denkfabrik!

Ein Kommentar
  1. Vorab: Gewerkschaften sollten noch viel stärker sein, und ich bin Mitglied, obwohl es in meiner Branche scheinbar sinnlos ist.

    Doch: Höre ich da den 1990-er-Ruf nach “Mehr Arbeit” immer noch heraus? Die potenzielle Erpressbarkeit durch die angeblichen Arbeit-Geber? Schade, schade, schade.

    Es get um höhere _Produktivität, bei Arbeit, Energie, Umwelt – und dadurch _weniger zu leistende Arbeit etc. Was für anderes erst die Freiräume ermöglicht … u.a. für gewerkschaftliches Engagement.
    Solidarische Grüße!

    Jan S. am .

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