Antimuslimischer Rassismus – wie begegnen wir kulturrassistischen Ressentiments?

  1. Sarrazin & Co – warum ist diese Form der „Kritik“ am Islam rassistisch?
  2. Welche Bilder sind in kulturrassistischen Diskursen über den Islam und MuslimInnen wirksam?
  3. Ist antimuslimischer Rassismus das Problem einer randständigen Gruppe von Neonazis und Rechtspopulisten oder handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema?
  4. Welche Forderungen sind an die Politik zu richten? Welche Handlungsmöglichkeiten hat die Politik?

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Themenbereich: Soziale Zeiten

2 Kommentare
  1. Wie sieht der moderne Rassismus heute aus?

    Der Rassismus heute äußert sich seltener offen und unverhohlen – trotz steigender rassistisch motivierter Gewalt- und Straftaten von Rechtsextremen. Vielmehr dringt der alltägliche Rassismus auf subtile Weise in die Köpfe von Menschen ein. Er erscheint in Gestalt alltäglicher Floskeln und scheinbar plausibler Unterscheidungen oder pauschalisierender und abwertender (Vor-)Urteile. Ihnen liegen orientierende Konstruktionen von „Wir“ und „Ihr“ zugrunde, die Menschen eines anderen ethnischen Hintergrunds, einer anderen Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit diskriminierende Zuschreibungen und abwertende Merkmale zuordnen.
    Die Verurteilung der Rassenideologie des Dritten Reiches in der Nachkriegszeit hat zwar maßgeblich dazu geführt, dass Rassismus lange Zeit geächtet und in Deutschland geradezu tabuisiert wurde. Doch diese Tabuisierung hat eine Auseinandersetzung mit dem modernen, subtilen Rassismus, die Aufdeckung und Bekämpfung seiner vielfältigen Erscheinungsformen und Argumentationsmuster erschwert, wenn nicht geradezu verhindert. So wird ethnische Diskriminierung bisher unzureichend untersucht und als Ursache von Ausgrenzung und Benachteiligung allzu oft geleugnet. Bezeichnend dafür ist, dass im 400-seitigen Nationalen Integrationsplan Diskriminierung als Thema nicht einmal erwähnt wird. Das zeigt, dass die Auswirkungen von Diskriminierung und Rassismus gesellschaftlich wie auch politisch unterschätzt werden.
    Dieses Dossier spürt den „modernen“ Rassismus auf, der zur Ungleichbehandlung und Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund führt. Es untersucht die Mechanismen, Denkweisen und Argumentationsmuster der ethnischen Diskriminierung, die nicht nur an den Stammtischen und von den Boulevardblättern reproduziert werden. Die empirischen Studien und Analysen führen uns vor Augen, wie MigrantInnen in allen wichtigen Lebensbereichen – auf dem Arbeitsmarkt, in den Bildungsinstitutionen, im Krankenhaus oder beim Arzt, im Fußballstadion oder auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden und was dagegen geschieht bzw. geschehen müsste.
    Die Analysen zeigen, dass ein umfassender Diskriminierungsschutz unerlässlich ist für die Integration und Gleichstellung von MigrantInnen. Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) vor wenigen Jahren ist zwar ein verbesserter rechtlicher Diskriminierungsschutz geschaffen worden, doch sind viele Betroffene nicht oder noch nicht ausreichend über die damit verbundenen Möglichkeiten der Gegenwehr informiert oder scheuen die gerichtliche Auseinandersetzung.
    Das Dossier gliedert sich in folgende Schwerpunkte:
    • Im Schwerpunkt Mechanismen der Ausgrenzung werden die verschiedenen Spielarten des Rassismus und die Entstehung neuer Formen der Diskriminierung analysiert. Im Mittelpunkt steht das Phänomen der Islamophobie An ihr werden erschreckende Parallelen zu alten antisemitischen Vorurteilen und Argumentationsmustern sichtbar.

    • In Realitäten der Diskriminierung geht es um die Formen, in denen Diskriminierung von MigrantInnen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen: Arbeitsmarkt, Bildungsinstitutionen, Fußballstadion oder auf dem Wohnungsmarkt wahrgenommen und erfahren wird.

    • Gegenstrategien stellt u. a. neue Methoden der Andiskriminierungsarbeit vor, die in den Projekten von Antirassismus-Initiativen entwickelt und erprobt werden.
    Das Dossier wurde von Dr. Martha Escalona Zerpa und Olga Drossou, MID-Redakteurin, redigiert.
    April 2010- Dr. Martha Escalona Zerpa ist klinische Psychologin und promovierte an der Humboldt Universität zu Berlin. Sie arbeitet als freiberufliche Referentin, Trainerin und Berufsberaterin und lebt seit 1989 in Berlin .

    Eker Hasan am .
  2. Hoch spannendes Thema und wichtig.
    Den hier verwendeten Begriff “Kulturrassismus” verstehe ich nicht. Verwässert er nicht schlichtweg nur den eingeführten Begriff “Rassismus”, also das Unglaubliche, dass jemand wegen seiner “Rasse” von Geburt an “besser”/”schlechter” wäre? Nichts gegen nette Worterfindungen und krasse Ausdrücke, doch geht dieser nicht nach hinten los?

    Jan S. am .

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