Antimuslimischer Rassismus

In den letzten Jahren stehen MuslimInnen fast durchgehend im Fokus öffentlicher Diskussionen. Hierbei sind Diskurse, welche sowohl den Islam an sich als auch Musliminnen und Muslime abwerten und anfeinden keine Seltenheit. Sie dominieren vielmehr die Debatte und haben direkte Auswurkungen auf hier lebende Musliminnen und Muslime. In dem momentan sehr aufgeheitzen gesellschaftlichen Klima müssen wir uns als politisch aktive Menschen einige Fragen stellen:

Warum ist “Kritik” am Islam problematisch?

Wem nutzt aus welchen Gründen die Abwertung des Islam und der MuslimInnen?

Welche Bilder und Topoi sind in kulturrassistischen Diskursen über den Islam und die MuslimInnen wirksam?

Ist (antimuslimischer) Rassismus ein Problem von einer randständigen Gruppe von Neonazis und Rechtspopulisten oder handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema?

Welche Forderungen sind an Politik zu richten? Welche Handlungsoptionen hat Politik?

Details zum Workshop-Vorschlag

Vorgeschlagen von: AK Gruene MuslimInnen

Datum:

Themenbereich: Soziale Zeiten

Bewertung: 3,96 von 5 bei 412 abgegebenen Stimmen

Bewerten: Bewertungszeitraum vorbei

Loading ... Loading ...
6 Kommentare
  1. Zum Vorschlag Antimuslimischer Rassismus:

    Ein Themenbereich (im Bereich Handlungsoptionen der – deutschen – Politik) ist ein öffentliches Erinnern und ein Lehren in Schule und Hochschule zu dem Bereich der muslimischen Gerechten unter den Völkern (einschließlich verschleierter, muslimischer Frauen), die man auf der Internetseite der international hoch angesehenen, israelischen Gedenkstätte Yad Vashem findet. Siehe beispielsweise die vorgestellten Personen und ihre Handlungen aus den Ländern Bosnien, Albanien, Türkei aber auch 2 Personen muslimischen Glaubens aus den Niederlanden (also der direkten Nachbarschaft von NRW).

    Leider haben bisher weder eine Bundesregierung, der Bundestag, der Bundesrat, die Landesregierung NRW noch der Landtag NRW je den muslimischen Gerechten unter den Völkern öffentlich gedacht.
    Dies sollte möglichst bald erfolgen; aber auch die Behandlung dieser Thematik im Schulunterricht sollte in NRW “auf die Tagesordnung” kommen.

    Stefan Jauernig am .
  2. “antimuslimisch”…. was ist das? Entweder ist jemand gegen den Islam als künftige Staatsreligion in europäischen Staaten, dann muss man nicht gegen Muslime sein. Ich unterscheide das. Ich würde und tue alles, damit Muslime hier in Frieden ihren Glauben leben dürfen. Aber so wie man im Vatikan und im Iran nicht unverschleiert herum laufen darf und gezwungen wird, die Mehrheitsreligion zu akzeptieren (gegen Androhung von ernsten Konsequenzen) so erwarte ich hier, dass man mich nicht zwingt, ein Kleidungsbekenntnis für eine Religion abzulegen. Ich möchte, dass man mich hier nicht missioniert, wenn ich nicht selber in Afghanistan missionieren darf. Ich erwarte, dass man in der Türkei Kirchen hat (zumal es mal ein christliches Land war und Istanbul Konstantinopel hieß) ohne jede Einschränkung, so wie hier jeder seine Moschee betreiben kann. Und ich möchte, dass man Atheisten in Frieden lässt. Man möge aber auch akzeptieren, dass der Satz des Grundgesetzes “In der Verantwortung vor Gott und den Menschen” nicht unterdrückt, wenn man als Grüner Entscheidungen für Europa und für unsere Bundesländer und die Bundesrepublik trifft.

    Ich darf das erwarten. Denn wenn ich mich hier nicht mehr als Eingeborener zu Hause fühle und das sage, dann ist das nicht “antimuslimisch”, nicht mal “anti-islamisch”. Es ist einfach eine Aussage dagegen, dass ich eine Muttersprache habe, die ich liebe, dass ich eine Geschichte habe – und dass man m.E., wenn man irgendo hinzu kommt – erstmal sich umschaut, was da ist und hingehört. Das macht man bei Besuchen in fremden Wohnzimmern. Und das gehört sich m.E. auch für ein Land, einen Arbeitsplatz, für jeden Ort, den man neu betritt. Es ist einfach Respekt vor dem, was ist. Wer das Bestehende verändern will, kann es nur, indem er sich selber verändert. Und ich möchte manches einfach nicht ändern. Basta.

    baksb am .
  3. Ihr Lieben,

    Seit dem 11.9.2001 wurde leider polarisiert ohne Ende. Dem amerikanischen Schrei “Auge um Auge Zahn um Zahn” folgten viele blindlinks. So auch wir. Einzelne Muslime zogen in den heiligen Krieg. Und die Innenminister formulierten die “Gefahr”. Wir haben es als westliche dominant christliche Staaten nicht geschafft, adäquat auf Kriminalität zu reagieren. Geschweige denn dem Tötungsverbot und dem Feindesliebesgebot zu folgen. Mit unserer Religion sind wir wieder mal gescheitert. So mögen wir uns also nicht erlauben zu erwarten, vom Islam primär die Sonnenseite gezeigt zu bekommen.
    Doch wir können uns ändern. Werden wir doch bitte mal gastfreundlich, menschenfreundlich und versöhnlich. Benennen wir doch mal unsere Fehler und bitten andere um Vergebung. Fangen wir doch bitte endlich mal an zu kapieren, dass man sich nicht für freilaufende Hühner engaieren kann, es aber gleichzeitig verantworten möchte, dass Menschen in Kriegen, in denen wir nichts zu suchen haben, töten und getötet werden. Wir sollten endlich mal kapieren, wie ungemein wertvoll jedes Menschenleben ist. Wenn wir mit diesem Bewußtsein mit jedem Mitmenschen umgehen, dann werden wir uns wundern, wie freundlich plötzlich die Welt werden kann. Und dass auch der Muslim vergeben kann.
    Denn unvollkommen sind wir alle.

    LG
    Gerhard

    Gerhard Schulz am .
  4. Kritik an islamischen Strömungen, die frauenfeindlichen und homophoben Vorurteilen Vorschub leisten, hat mit Rassismus nichts zu tun, sondern ist notwendige Aufklärung, die wir leider in ignorantem Hochmut der Mehrheitsgesellschaft lange versäumt haben. Das darf uns nicht dazu verführen, dass die Maßstäbe zu verwechseln.

    Wenn die saudische Botschaft seit jahren in Deutschland “Missverständnisse über Menschenrechte im Islam” – das Machwerk der Wahabiten, einer rechten Sekte (Abdul-Rahman al Sheha) kostenlos in deutschen Moscheen verteilen lässt, und niemand liberales aus muslimischen Kreisen etwas dazu sagt, dann finde ich das schlichtweg einen Skandal!

    “Missverständnisse über Menschenrechte im Islam” behauptet, z.B. dass die Welt von
    zwei falschen Ideologien lange beherrscht worden sei, die eine “gebe dem Kollektiv alle Macht über die Menschen und führe zu Unfreiheit”, die
    nenne man “Kommunismus”, die andere “überbetone das Individuum, was alle Werte zertöre und zu Chaos und Verbrechen führe”, das sei der
    “Kapitalismus” und die e i n z i g richtige Lehre, die aus ausgewogenen
    Verhältnis von Individuum und Gesellschaft garantiere, sei der Islam.
    Was dann folgt, ist nicht mehr und nicht weniger, als ein umfassender,
    totalitärer Anspruch auf Moral, Recht, Gesellschaft und Staat. -zur Auseinandersetzung mit dieser Ideologie sehr lesenswert!

    In der Moschee meines Schwiegervaters wehrt sich die Mehrheit der liberalen Muslime derzeit ohne Erfolg gegen einen Hassprediger, der vom Vorstand gedeckt wird, obwohl Unterschriftensammlungen kursieren derer. die sich weigern, “hinter ihm zu beten”. Steuerbehören und Institutonen trauen sich aus falsch verstandener Zurückhaltung nicht, gegen Mauscheleien und undemokratische Machenschaften des Vorstandes vorzugehen – aus Angst , jemanden zu diskriminieren!

    Ein befreundeter Musiker, Iraner, ist vom Khomeini-Regime gefoltert worden und stark traumatisiert. Er reagiert auf Vollverschleierte so, wie
    man es sonst von Flüchtlingen aus Militärdiktaturen kennt, die eine
    Uniform sehen: Er sagt, je mehr er diese Frauen bei uns in der Öffentlickeit sieht, desto mehr fühlt er
    körperliche Bedrohung, weil er diese Schwarzkittel mit Intoleranz,
    Aggression, und antidemokratischem Verhalten und Übergriffen bis zur Folter, eben dem, was er im Iran erlebt hat, assoziiert.

    Das alles hat mit Rassismus nichts zu tun, sondern muss ausgesprochen werden können, ohne Tabus und in aller Klarheit. Dazu gehört auch, dass der vorherrschende religiös organisierte Islam – zweifellos ein Geschlechterproblem und ein Macho-Problem hat, von dem sich auch nicht mit einem aufgesetzten “Rassismusdiskurs” ablenken lässt:

    Es ist ganz einfach zu erkennen: Der Islam ist an dem Tag in der Gegenwartsgesellschaft und in der Demokratie angekommen, an dem Männer und Frauen in der Moschee unverschleiert im gleichen Raum nebeneinander beten können und wenn der erste Imam ein schwules oder lesbisches Pärchen traut!

    Roland Appel am .
    • Lieber Roland, ein sehr guter Kommentar.
      Ich möchte noch hinzufügen, dass die liberalen und säkularen Muslime zunehmend in die Defensive geraten gegenüber den intoleranten, patriarchalen Kräften. Das ist zumindest das, was ich beobachte. Die von dir zitierte “Angst, jemanden zu diskriminieren” spielt den Hardlinern in die Hände und erreicht daher paradoxerweise das Gegenteil von dem, was sie will, sie wirkt integrationshemmend.
      Ich denke, ein grüner Diskurs über dieses Thema sollte vor allem die Freiheit des Individuums betonen. Ich kenne Muslime, die sich im Prinzip gerne der hiesigen Mehrheitsgesellschaft anpassen möchten, aber durch ihre Peer-Gruppe davon abgehalten werden.

      doro am .
  5. Hier wird das Wort Rassismus instrumentalisiert, um möglicherweise berechtigte Kritik am Islam wie er in Deutschland und im nahen und mittleren Osten praktiziert wird, von vorneherein zu diskreditieren. Aus dem Vorschlag geht in keiner Weise hervor, welche Kritik gemeint ist. Bei mir entsteht der Eindruck, dass dadurch die “Neonazis und Rechtspopulisten” mit allen eine Schublade gesteckt werden, die in irgendeiner Weise mal etwas “gegen den Islam”, d.h. tatsächlich gegen gewisse Gruppen, leider oft auf pauschalisierende Weise, gesagt haben. Insbesondere die erste Frage “Warum ist “Kritik” am Islam problematisch?” erweckt bei mir diesen Eindruck. In einer offenen Gesellschaft ist Kritik immer erlaubt, und nicht jede Kritik wird auf eine pauschalisierende und undifferenzierte Weise vorgebracht, auch nicht jede Kritik am Islam.

    Daniel am .