Den ländlichen Raum bewohnen?! Was muss passieren, um bleiben und das „gute Leben auf dem Lande“ genießen zu können?

● Immer mehr ländliche Räume entvölkern sich. Junge Leute ziehen in die Städte, alte Leute bleiben allein in den Dörfern zurück.

● Gewachsene Dorfstrukturen, alte leerstehende Höfe mit guter Bausubstanz und viel Platz bieten eigentlich optimale Bedingungen für ein Leben nahe an der Natur. Das Land bietet genügend Platz und Erlebnisraum für Kinder. In den alten Höfen mit ihren vielen Zimmern könnten individuell gestaltetes Mehrgenerationenwohnen,  Altenwohngemeinschaften  und andere soziale Lebensgemeinschaften entstehen.

● Die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) engagiert sich seit rund 40 Jahren für die Belange alter Häuser und Höfe, arbeitet daran, die ländlichen Räume wieder attraktiver zu machen. Mit Hilfe von zwei Beispielen (s.u.) soll eine Ideenschmiede angeregt werden, wie der ländliche Raum zurückbesiedelt und zukunftsweisend als Lebensraum für breite Bevölkerungsschichten genutzt werden kann.

● Beispiel 1: Im Mindener Raum hat ein IGB-Mitglied in Kooperation mit der IGB ehrenamtlich eine Bauernhausbörse eingerichtet. Leerstehende Höfe werden dort eingestellt und so einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Es existieren eine Reportage und ein Feature über jeweils ein Paar, das über diese Börse einen Hof gekauft und sich im ländlichen Raum angesiedelt hat.

● Beispiel 2: In Dörverden bei Bremen wird ein ganzes Dorf inventarisiert. Alle Häuser und Höfe, die vor 1950 gebaut wurden, werden in Begehungen vermessen. Alte Fotos werden gesammelt und nach Abschluss des Projektes ist in einem Online-Archiv die gesamte Dorfgeschichte abrufbar. Der Dorfzusammenhalt wächst durch diese Aktion ungemein und viele erkennen erst jetzt, in welchen Kleinoden von Häusern sie wohnen. (dpa+ der NDR berichteten unlängst)

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Vorgeschlagen von: Interessengemeinschaft Bauernhaus

Datum:

Themenbereich: Nachhaltige Zeiten

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6 Kommentare
  1. Land unter, nein Danke.
    Der dörfliche Lebensraum in der ganzen BRD ist
    massiv vernachlässigt. Baukultur gleich null.
    Modernisierungswahn mit Plastikfenstern und Haustüren und großangelegte Vermummungsaktionen unter dem Mantel EnEv
    versauen die Ortsbilder landesweit.
    Da muß gegengesteuert werden.
    Das geht viel besser, wenn mans weiß wie….

    Menelaos

    Menelaos am .
  2. Wohne selbst in einem Hof mit Garten, Nebengebäuden und viel Platz, das Haus ist von 1712. Ich genieße die Lebensqualität, die Ruhe, die Dorfgemeinschaft, die gute Luft und die Weite. Ein Stadtleben könnte ich mir nicht mehr vorstellen mit Lärm, Verkehr, Enge und Anonymität.

    Irmela Wrede am .
  3. Im sogenannten “Umgebindeland”, welches bekanntlich die benachbarten Gegenden im Dreiländereck von Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik umfasst, und tatsächlich die höchste Konzentration von Umgebindehäusern aufweist, hat man sich etwas Besonderes ausgedacht. Da findet ab 2005 am letzten Sonntag im Mai ein “Tag des offenen Umgebindehauses” statt, also in allen 3 Ländern, dieses Jahr in 51 Orten! Das ist eine Aktion, die auf eine besondere Art von meist dörflichen Denkmalen konzentriert, deren überregionalen Wert bewußtmachen hilft, aber auch die gemeinsame Verantwortung für sie betont.
    Oft staunen die Gäste über das Anheimelnde der Dorfbilder, die Schönheit der Gärten und Häuser sowie über die vielfältigen Einrichtungsmöglichkeiten. Freilich werden nicht nur manche Häuser geöffnet, es gibt auch Ortsführungen, Handwerkerpräsentationen, Ausstellungen, Händlerangebote, Lehmbauerprobung, mancherlei andere Hinweise zum Selberbauen und manchmal auch Kuchen und Kaffee für die Gäste. In Obercunnersdorf kam im Mai sogar ein Bus mit Besuchern aus Bielefeld und Minden, um die Dorfidylle zu erleben. “Es ist wunderschön, seinen Urlaub in dieser Gegend genießen zu dürfen , wenn man aus einer Betonstadt kommt”, schrieb Astrid Schulz aus Berlin in ein Großschönauer Gästebuch. Eine 15jährige meinte: “Ich wohne in einem Umgebindehaus und fühle mich sehr wohl. Das hölzerne Häuschen strahlt Wärme, Ruhe und Geborgenheit aus… Wenn man die Häuser in der reizvollen Landschaft sieht, erwacht ein Hauch Romantik.” Eine andere schrieb:”Die langen starken Balken versetzen mich immer wieder in Erstaunen. Wie groß müssen die Bäume gewesen sein, die dazu verwendet wurden. Ich kann mir nicht vorstellen, in einem Neubausilo, vielleicht mit viel Geld und Innenausstattung zu wohnen. Ich mag das Einfache und die Ruhe in unserem Haus. Unsere Berge, Wälder und Häuser finde ich unbezahlbar.” Nach Besichtigung der von einer jungen Familie mit kleinen Kindern bewohnten Holzstube eines Umgebindehauses sagte eine 16jährige:” Das war alles so gemütlich und kinderlieb eingerichtet, dass man am liebsten dort geblieben wäre.” Bei einer Dresdner Instanz hängt allerdings eine Landkarte u.a. mit unserer Heimat. Da steht: “Ländlicher Verdünnungsraum”… Da soll nicht Himbeersirup verdünnt, sondern die Bevölkerungsdichte verringert werden! Die offizielle bessere Prognose sieht so aus, dass bis 2020 mehr als 50% der 20-40jährigen hier weg sein werden. Geplantes Ausbluten der Region für die Ballungszentren, die “Leuchttürme”? Jemand sagte zu mir:” In einer Wüste braucht man keine Leuchttürme!” Was tun? Wir brauchen eine bessere Wirtschafts- und Innenpolitik, die Lebensqualität im ländlichen Raum sichert! Keine “uneingeschränkte Unterstützung” beim Sandsieben irgendwo auf dem Globus, womöglich gar als Hilfspolizist!

    Peter DORN am .
  4. Wir leben in einem alten Fachwerhaus aus dem Jahre 1804 am A…. der Welt und fühlen uns Pudelwohl. Da das Haus unter Denkmalschutz steht, sind wir von der EnEv ( dem amtlichen Organ der Dämmstoffmafia) verschont geblieben.
    Wie Menelaos schon betonte, werden überall schöne Fassaden mit Sondermüll verpackt und verschandeln das gewachsene Stadtbild!
    Infrastruktur wird vernachlässigt, die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten sind im ländlichen Bereich ebenfalls eingeschränkt!
    Sind die Menschen im ländichen Raum Menschen 2. Klasse?

    Harald Vidrik am .
  5. Wir haben auch eine Bauernhausbörse und sogar verknüpft mit einer Baustoffbörse gegründet. Die aber vor sich hin dümpeln und kaum beachtet werden. (trotz Vernetzung mit bundesweiten Börsen) Alles im Ehrenamt?! Dazu fehlen uns engagierte Leute mit Sachverstand und dem nötigen Freiraum. Gegründet wurde die Initiative von jungen Familien, die selber noch ihren Hof sanieren und kleine Kinder haben. Weil sie aus eigener Erfahrung zwar erkannt haben, was nötig ist, es aber selber zusätzlich gar nicht leisten können. Es fehlt einfach die staatliche Unterstützung. Und es fehlt an potenten Firmen, die mitmachen könnten. Die sind im ländlichen Raum aber sehr dünn gesät!
    Also was machen?!
    Auf Antworten in den Workshops bin ich gespannt.

    Hausbesitzer am .
  6. Meines Erachtens sind Hofgemeinschaften eine perfekte gesellschaftliche und generationenübergreifende Lebensform. In der Aachener Region (belgisches Umland eingeschlossen) haben wir dies mehrfach gesehen und kennen Familien und Einzelpersonen die so Leben. Vor allem für Kinder einen Lebensraum zu schaffen in dem sie Platz haben und sich frei bewegen können – wer z.B. Astrid Lindgrens “Kinder von Bullerbü” kennt weis wovon ich rede.

    Richard am .